Viel Wärme und viel Feuchtigkeit sorgen vor allem im Sommer für Gewitterbildung. Nun planen Wissenschaftler aus der Schweiz und Frankreich, Blitzeinschläge zu verhindern – mit Hilfe eines Super-Lasers aus Deutschland.

Blitzeinschläge verursachen weltweit enorme Schäden. Allein in den USA betragen die jährlichen Blitzschäden rund fünf Milliarden Dollar. Unmittelbare Zerstörungen werden da genauso mitgezählt wie Mehrkosten, weil zum Beispiel Flugzeuge wegen Gewittern Umwege fliegen müssen.

Forschungsprojekt mit Airbus und Ariane

Diese Schäden will der Physiker Jean-Pierre Wolf von der Universität Genf reduzieren. Gemeinsam mit Forschern der polytechnischen Hochschulen in Paris und Lausanne sowie weiteren Partnern wie dem Flugzeughersteller Airbus und des europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmens Ariane arbeitet er an einem Projekt, das nach Science Fiction klingt: Mit Hilfe von Lasertechnik sollen Blitze kontrolliert aus Gewitterwolken abgeleitet oder sogar ganz verhindert werden, erklärt Wolf. „Unsere Idee ist, diese Wolke zu entladen mit einem Laser, das heißt, der Laser wird der Blitzableiter sein.“

Super-Laser aus Unterföhring

Für ihr Experiment wollen die Forscher auf dem Ostschweizer Berg Säntis, wo es besonders viele Blitzeinschläge gibt, einen leistungsstarken Laser installieren. Der kommt aus Deutschland von der Firma Trumpf Scientific Lasers in Unterföhring. Bei Gewitterlagen wollen sie dann wiederholt extrem kurze, aber energiereiche Laserimpulse in die elektrostatisch aufgeladenen Wolken schießen, erklärt der Forscher.

Energetisch eine Riesenmenge, aber nur für jeweils eine Pikosekunde – Jean-Pierre Wolf spricht von drei bis fünf Terrawatt. Das sei in etwa so viel wie die Leistung aller Kernkraftwerke der Erde zusammen. Von dem Laserimpuls versprechen sich die Forscher einen verblüffenden Effekt. Sie gehen davon aus, dass dann die Spannung in der Wolke abnimmt und es nicht mehr an einer anderen Stelle blitzen kann.

Ziel: Blitze anderswo verhindern

Sprich: Flughäfen, Kraftwerke oder andere Einrichtungen wären somit sicher vor Blitzeinschlägen. Seit Jahren schon forschen die Wissenschaftler nicht nur an der Entladung der Wolken, sondern auch an der Idee eines Blitzableiters in Form eines Luftkanals, der durch einen Laser geschaffen wird. Blitze würden durch einen solchen Kanal so auf einen normalen Blitzableiter gelenkt. Jean-Pierre Wolf sagt: Laborversuche deuten darauf hin, dass dieses Prinzip tatsächlich funktionieren könnte:

„Wir haben das auf kürzerer Strecke demonstriert, also auf zwei drei vier Metern. Und das funktioniert. Man sieht wirklich, wie der Strom der Laserstrecke folgt, wirklich, es wird ganz gerade, nicht so erratisch, wie man das kennt.“


Jean-Pierre Wolf, Physiker

In diesen Tagen sollten eigentlich die ersten Messungen auf der Spitze des Schweizer Bergs Säntis durchgeführt werden, doch wegen der Covid-19-Pandemie mussten die Forscher umplanen. Das Experiment soll nun nächstes Jahr durchgeführt werden.

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