Studenten bauen ein interaktives Satellitenmodell, das jetzt im Zentrum für Satelliten-Kommunikation in Backnang gezeigt wird. Mitmachen ist angesagt: die Besucher müssen mit viel Fingerspitzengefühlt einen Laserstrahl lenken.

Backnang – Die Aufgabe ist alles andere als einfach. Ältere Semester jedenfalls tun sich mitunter schwer, im sogenannten Showroom des Deutschen Zentrums für Satelliten-Kommunikation (Desk) in Backnang den Laserstrahl von dem einen zum zweiten Satellitenmodell zu lenken. Der Laserpunkt wandert immer wieder nach rechts und nach links, nach unten und nach oben – längere Zeit indes leider nicht genau auf dem Empfängerpunkt. Nach vielen Minuten Feinarbeit an einem Tablet-Computer ist das Ziel aber erreicht: der Laserstrahl sitzt. Und es ertönt Musik, ein Song der amerikanischen Rockröhre Pink. Geschafft!

Fördermittel und Fachkräfte

Das interaktive Satellitenmodell ist von drei Backnanger Studenten gebaut worden. Das Trio studiert Elektrotechnik in Stuttgart und ist bei der Backnanger Firma Tesat-Spacecom angestellt. Tesat produziert Systeme und Geräte für die Telekommunikation via Satellit und gehört zu den rund 40 Firmen und anderen Organisationen, die das Sattelitenzentrum in der Murrstadt tragen.

Die echten Satelliten im All, erklärt Schnabel, seien etwa zehnmal so groß wie die gut fußballgroßen Modelle. Schnabel macht in Sachen Satellitentechnik so schnell keiner etwas vor, er hat 1966 bei der Vor-vor-Vorgänger Firma von Tesat angefangen zu arbeiten. 1999 ist er aus dem Berufsleben ausgeschieden. Viele Jahren schon engagiert er sich beim Desk, erklärt Kindern und Jugendlichen die Technik und Elektronik – und hilft mit, neue Fördergelder für den Betrieb des Satellitenzentrums an Land zu ziehen.

60 000 beschriebene DIN-A-4-Seiten pro Sekunde

Im Orbit, erläutert Schnabel, seien die beiden Satelliten mit einer Geschwindigkeit von rund 28 000 Kilometern pro Stunde unterwegs, in etwa 40 000 Kilometern Höhe. Es sei ein wahres technisches Meisterwerk, bei dieser Distanz und bei dem Tempo die Laserstrahlen zu lenken. Die Lasertechnik ermögliche eine blitzschnelle Datenübertragung, „60 000 beschriebene DIN-A-4-Seiten pro Sekunde zum Beispiel“. Die Entwicklung der Technik habe fast 20 Jahre gedauert, die Backnanger Firma Tesat habe in Sachen Laserkommunikation im Weltall ein „internationales Alleinstellungsmerkmal“, sagt Schnabel nicht ohne Stolz.

Gleich neben dem neuesten Modell in der Ausstellung steht ein weiteres: zu sehen sind ein geostationärer Satellit sowie mehrere darunter fliegende Satelliten. Diese Konstruktion, so Schnabel, demonstriere, wie das autonome Fahren von Autos funktionieren solle. Allein mit mit dem kommenden 5-G-Mobilfunknetz ist nach seiner Einschätzung das autonome Fahren nicht möglich. Ohne Satelliten, sagt Schnabel, könne man autonomes Fahren von Autos, Bussen und Lastwagen vergessen. Denn in entlegenen Gebieten, etwa im Schwarzwald, sei es unmöglich, jeden Quadratmeter mit G 5 abzudecken.

Wer die Ausstellung im Desk in der Schillerstraße 34 besuchen will, müsse sich wegen der Corona-Pandemie vorher unbedingt telefonisch anmelden, sagt Dilara Betz (0 71 91/18 78 313). Die nächste offizielle Führung am 27. August ist bereits ausgebucht. Eine Maskenpflicht bestehe nur auf dem Weg in den Showroom. Wer Ende des Monats an der Stadtrallye in Backnang teilnimmt, kommt übrigens auch in das Deutsche Zentrum für Satelliten-Kommunikation.

Hier geht es zum Originalartikel von Martin Tscheppe.